Bindungshafen

Abstract

Im Setting eines wöchentlichen Angebots für Eltern mit Kindern unter einem Jahr soll es das Ziel sein, Eltern darin zu stärken, die Signale und damit Bedürfnisse ihres Kindes zu lesen und darauf zu vertrauen, dass sie die Experten für ihr Kind sind. In einer lockeren Umgebung soll ein Austausch über eigene Erfahrungen und Gefühle angeregt werden. Hinzu kommen Aufgaben, welche die Feinfühligkeitskompetenzen der Eltern erweitern sollen. Mit der Verbesserung der elterlichen Feinfühligkeit wird die Eltern-Kind-Bindung gestärkt und damit zunehmend in einen sicheren Bereich gebracht. Eine sichere Bindung stellt einen Schutzfaktor für die gesamte Lebensspanne dar.

Finanzielle und rechtliche Grundlagen

Interessierte Eltern können sich als Selbstzahler anmelden. Über das Jugendamt kann jedoch auch eine Teilnahme, gemäß §16 SGB VIII, an der Elterngruppe aus Mitteln der Hilfen zur Erziehung finanziert werden. Als Voraussetzung hierfür wird das Vorhandensein von Gefährdungsmerkmalen, wie z. B. geringe materielle Ressourcen, geringe Bildung, schlechte Wohnverhältnisse, Belastungen durch Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung, gesundheitliche Probleme, frühe Mutterschaft, viele Kinder usw. gehandhabt.

Zielgruppen

Das Angebot wendet sich an Eltern von Kindern im ersten Lebensjahr, aber auch an werdende Eltern. Nicht selten haben Eltern nach der Geburt Schwierigkeiten ihre Kinder „zu lesen“. Jede Mutter entwickelt während der Schwangerschaft Vorstellungen darüber, wie das Kind aussehen, wie es sich verhalten und in welcher Form sich das Leben mit einem Säugling verändern wird. Dies stellt jedoch eine Erwartungshaltung dar, die bei einem Großteil der Eltern von der Realität abweicht. Daraus resultiert häufig Stress, eigene Vorwürfe, als Eltern „zu versagen“ und die Enttäuschung darüber, dass sich die Erwartungshaltung nicht bestätigt. Leiden die Eltern jedoch unter Stress, übertragen sie diesen Stress auf ihr Baby, welches eigentlich darauf angewiesen ist, von den Eltern beruhigt zu werden. Eine Stressregulation ist so nicht möglich und das Stressniveau von Eltern und Kind potenziert sich exponentiell. Regulationsstörungen, auch Schreibabys genannt, können die Folge sein.

Ziele

Wie bereits erwähnt, stellt die sichere Bindung eines Kindes einen großen Schutzfaktor für sein Leben dar. Damit sich eine sichere Bindung entwickelt, reicht es aus, wenn die Bindungsperson mindestens 50% der kindlichen Signale wahrnimmt, richtig interpretiert, prompt und angemessen reagiert. Wird das Bewusstsein der Eltern soweit verändert, dass sie im Alltag mehr auf die Signale ihres Kindes achten, so kann die emotionale Entwicklung der Kinder gestärkt werden. Eltern eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der sie sich darauf einlassen können über eigene Unsicherheiten zu sprechen und auch die Bereitschaft aufbringen, sich auf Veränderungen einzulassen, sollte das primäre Ziel der Arbeit sein. In entspannter und lockerer Atmosphäre, sein eigenes Verhalten zu reflektieren, im Alltag mehr auf sein Handeln zu achten und im besten Fall dadurch auch Veränderungen herbei zu rufen.

Hilfe-/Auftragsplanung

Wöchentliche Gruppenarbeit in den trägereigenen Räumlichkeiten stellen den konzeptionellen Rahmen des Angebots. Der zeitliche Rahmen beträgt 90 Minuten. In entspannter und vertrauter Umgebung können sowohl Eltern mit dem Hintergrund der Hilfen zur Erziehung als auch Selbstzahler miteinander, und voneinander Erkenntnisse über die Beziehung und Bindung zu ihrem Kind erfahren. Eine fortlaufende Themenreihenfolge macht einen Einstieg in die Gruppe zu jeder Zeit möglich.

Angebotsstruktur

Feinfühligkeit ist das Instrument einer jeden Bindungsperson (z.B. Mutter und Vater), die Verhaltensmuster, Problemlösestrategien und emotionale Affektregulation seines Kindes zu beeinflussen. Feinfühligkeit ist die Fähigkeit der Bezugsperson, die Signale des Kindes

  • wahrzunehmen,
  • sie richtig zu interpretieren,
  • angemessen und prompt auf sie zu reagieren.

Um diese Feinfühligkeit der Eltern zu stärken, werden unteranderem folgende Wochenthemen nach dem STEEP® Programm behandelt:

  • Was ist eine „gute Mutter“ bzw. ein „guter Vater“?
  • Was ist das Beste am Elternsein? – Was ist das Schlimmste am Elternsein?
  • Signale des Kindes
  • Vorlieben meines Babys
  • Babymassage
  • Übermäßige Stimulation
  • Persönlichkeit meines Kindes
  • Meilensteine der Entwicklung
  • Kinderbetreuung
  • Routine für das Kind
  • Lob/Grenzen setzen/eigene Erfahrungen
  • Was kann mein Kind?
  • Spielideen
  • Wie lernen Babys?
  • Wutanfälle
  • Babysicherheit

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